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Montag, den 28. März 2011 um 11:02 Uhr

Mitgliederversammlung des Solidaritätskreises Westafrika e.V. am 18. März 2011 in Hillesheim

Der Vorsitzende des Vereins, Karl-Wilhelm Simonis, begrüßte alle Anwesende. Er stellte als Versammlungsleiter fest, dass zur Versammlung frist- und formgerecht unter Angabe der Tagungsordnung eingeladen wurde. Jede Mitgliederversammlung ist gemäß unserer Satzung beschlussfähig. Die Anwesenheitsliste wurde rund gereicht und die Mitglieder trugen sich ein. Zur Information wurden Fotokopien mit einer Auflistung über die durchgeführten Projekte 2010 und über die geplanten Projekte 2011 sowie die Jahresberichte 2010 und die Grundsätze des Vereins verteilt. Da der Vorstand und der Kassenprüfer 2009 für 3 Jahre wiedergewählt wurden, stehen dieses Jahr keine Wahlen an.

Folgende 16 Mitglieder waren anwesend: Marianne Bischoff, Christoph Bröhl, Reinhold Hedtfeld, Ursula Berg, Monika Freisberg, Harry Kunz, Anne Heinrichsen, Heike Plein, Winfried Plein, Marion Schlösser, Karl-Wilhelm Simonis, Götz Krieger, Marita Müller, Hans Kanther, Marianne Kanther, Christel Wallenborn

Anwesend waren noch zahlreiche weitere Nichtmitglieder, die sich für die Arbeit des Vereins und seine Projekte besonders interessierten.

 

Rechenschaftsbericht des 1. Vorsitzenden

Karl-Wilhelm Simonis erläuterte anhand der ausgehändigten Unterlagen die im Jahre 2010 durchgeführten Entwicklungshilfeprojekte. Es wurden 1.27 Millionen Euro in Burkina Faso investiert. Es wurden 28 Grundschulen, 15 Collèges (Realschulen) und 34 Lehrerhäuser gebaut. Insgesamt wurden 144 Klassen neu gebaut. Da durchschnittlich 75 Kinder in einer Klasse sind, wurden, wenn alle Klassen belegt sind, für rund 10.800 Kinder neue Schulplätze geschaffen – eine enorme Zahl. Jeder neue Schulplatz kostete somit nur ca. 120 Euro. Wir haben dieses Jahr bei den Collèges keine Verwaltungsgebäude mehr finanziert, da sie überproportional teuer waren und zu wenig genutzt wurden. Stattdessen haben wir im Schultrakt 2 Büroräume von jeweils 25 qm errichtet, die unser Erachtens für die Verwaltung durchaus ausreichen.

Außerdem wurden 20.000 Euro für das Mädcheninternat Foyer Sainte Monique in Banfora und für Studentinnen ausgegeben. Die gesamte Projektüberwachung incl. des Gehaltes unseres Repräsentanten, der Bauingenieure und der Chauffeure sowie die Aufwendungen für unsere Allrads kostete 23.900 Euro. Wir haben bei der kirchlichen Beschaffungsstelle Begeca für 22.760 Euro einen 3. Allrad für die Projektüberwachung gekauft. Unser ältester Allrad ist schon 270.000 Kilometer gelaufen und wird nur noch für den Aufklärungsunterricht eingesetzt, bei dem nicht mehr so weite Entfernungen zurückgelegt werden müssen. Auch der grüne Allrad ist über 100.000 km gelaufen und brauchte einen neuen Austauschmotor.

Jana Marxen aus Trierweiler ist im August aus Burkina Faso zurückgekehrt. Sie wurde von dem Verein SoFiA im Rahmen der sozialen Friedensdienste im Ausland dorthin gesandt und hat den Mädchen im Foyer Sainte Monique die Grundbegriffe der Datenverarbeitung beigebracht und Aufklärungsarbeit geleistet. Um 20 Uhr berichtete sie ausführlich über ihre Tätigkeit. Ihre Nachfolgerin Lena hatte großes Heimweh und ist nach 3 Wochen nach Deutschland zurückgekehrt, sodass wir dieses Schuljahr keine Freiwillige in Banfora haben. Der Computer- und Aufklärungsunterricht läuft zur Zeit sehr schlecht. Wir hoffen, dass Viktoria Weiler aus Mehren, die für 1 Jahr nach Banfora geht, den Unterricht beleben kann.

Unsere Bauingenieurin hat wieder gute Arbeit geleistet. Da sie zur Zeit im Mutterschaftsurlaub ist, besucht ein Bauingenieur unsere Projekte. Außer dem Collège Bonou waren die von uns besichtigten Bauten ordnungsgemäß errichtet und wiesen keine Mängel auf. Unser Repräsentant hat alle Orte besucht und kontrolliert, ob genug Sand und Steine gesammelt wurden. Mittlerweile haben unsere afrikanischen Projektpartner verstanden, dass wir uns nicht mit einer verbalen Mitarbeit zufrieden geben. Im Jahr 2010 haben die Orte Panassin, Kovri und Tongomayel nicht rechtzeitig Sand und Steine gesammelt und wurden daher auf der Projektliste gestrichen. Mit dem so eingesparten Geld werden in 3 Orten, an denen wir Schulbauten für 2011 vorgesehen hatten, vorzeitig Schulen errichtet.

Der Kontakt mit unserem Repräsentanten verläuft im Regelfall per Handy, denn er schreibt nicht gerne. Anselm Sanou hat mir jeweils zum Monatsanfang Kopien unserer Kontoauszüge eingescannt und zugemailt, denn wir führen hier in Deutschland die „afrikanische Buchhaltung“, damit wir jeweils genau wissen, welche Gelder für welche Schulbauten noch offen stehen. Die Kommunikation mit ihm ist aus technischen Gründen zur Zeit sehr schwierig und unbefriedigend.

Am 9. August 2010 hat Karl-Wilhelm Simonis bei der Vorprüfstelle BENGO einen neuen Zuschussantrag mit der Bezeichnung „Schulbauprogramm 2010 - 2012 in Burkina Faso“ eingereicht. Dieses mehrjährige Schulbauprogramm wurde abgelehnt und musste aus Haushaltsgründen in ein Schulbauprogramm 2010 und ein Schulbauprogramm 2011/2012 aufgegliedert werden. Am 17.11.2010 wurde uns vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein Zuschuss von 410.419 Euro bewilligt, den wir zum 30.12.2010 abgerufen haben. Dieses Geld müssen wir bis zum 30.04.2011 in 8 Grundschulen und 9 Collèges investiert haben. Ob uns dies gelingt, ist sehr fraglich. Am 07.12.2011 wurde uns ein weiterer Zuschuss von 595.240 Euro bewilligt, mit dem wir bis zum 30.04.2012 20 Grundschulen und 6 Collèges bauen wollen. Da möglicherweise vom japanischen Staat 2 Collèges finanziert werden, die wir bauen wollten, müssen eventuell noch Umplanungen erfolgen.

Die Zusammenarbeit mit dem BMZ verlief nicht so harmonisch wie in früheren Jahren. Die neue Sachbearbeiterin verlangt, dass über unsere bisherigen Projekte eine Evaluierung erfolgt, um die Wirksamkeit unserer Arbeit überprüfen zu können. Ich wies darauf hin, dass Anselm Sanou eine Masterarbeit über unsere Projekte geschrieben habe und die Daten von 60 Schulen von vereidigten Mitarbeitern des statistischen Amtes von Burkina Faso erhoben worden seien. Ursprünglich machte die Sachbearbeiterin sogar die Zusage weiterer Zuschüsse von der Vorlage der Evaluierung abhängig. Da eine solche Evaluierung Monate dauert und ca. 20.000 Euro kostet, war ich gezwungen unsere Bundestagsabgeordneten einzuschalten, die erreichen konnten, dass auch ohne Vorlage des Evaluierungsergebnisses weitere Gelder an uns ausgezahlt werden. Zur Zeit ist die Evaluierungsabteilung des BMZ damit beschäftigt, die Sachverhalte festzulegen, auf die sich die Evaluierung beziehen soll. Außerdem wird bzw. wurde bezweifelt, dass die Elternvereinigungen an den Schulen in der Lage sind, die Schulgebäude ordnungsgemäß instandzuhalten, obwohl dies an allen Schulen in Burkina Faso so gehandhabt wird. Ich weiß nicht, wie sich die Arbeit mit dem BMZ weiterentwickelt und ob wir weitere Gelder bekommen. Ich werde in Zukunft Dörfer erst dann zum Sammeln von Sand und Steinen auffordern, wenn ich die endgültige Zusage des Ministeriums für weitere Zuschüsse habe. Zum 30.06.2011 werde ich mein Amt als Notar in Hillesheim niederlegen, da ich dem Stress dieses großen Notariates nicht mehr gewachsen bin. Meine Arbeit für Burkina Faso will ich aber unverändert weiterführen, soweit ich dazu gesundheitlich in der Lage bin.

Da so viele neue Schulen benötigt werden, können wir bei den Grundschulen nur jeweils 1 Lehrerhaus finanzieren. Wenn Collèges um 4 Klassen erweitert werden, finanzieren wir keine weiteren Lehrerhäuser mehr. Wir wollen generell die Einschulung von Kindern fördern und nicht die Lehrer unterstützen, aber zufriedene Lehrer sind für Schüler und Dorfbevölkerung eine Wohltat. In der Nähe von Großstädten, die elektrische Beleuchtung haben, bauen wir gar keine Lehrerhäuser mehr, da die Lehrer dort lieber in der Stadt wohnen bleiben und täglich mit ihren Mopeds zur Schule fahren. Ab diesem Jahr bauen wir bei neuen Collèges nicht mehr – wie bisher – 3 Lehrerhäuser, sondern nur noch 2 Lehrerhäuser.

Unsere Verwaltungskosten in Deutschland betrugen im Jahre 2010 nur ca. 0,5 % unserer Investitionskosten in Burkina Faso.

Unsere Spenden im Jahre 2010 in Höhe von 271.832,89 Euro (im Jahr 2009 265.060 Euro) reichen nicht aus, um die Eigenbeteiligung an den Projekten des Jahres 2011 in Höhe von 301.648 Euro zu erbringen. Der Solidaritätskreis Westafrika wurde zu 5/9 Anteil und der Orden der Mutter Theresa zu 4/9 Anteil Erbe nach Helga Breyer. Wenn wir das Haus von Helga Breyer in Pelm verkauft bekommen, können wir die Unterdeckung ausgleichen. Es kann aber durchaus sein, dass wir in den kommenden Jahren den Umfang unserer Projekte reduzieren müssen, weil wir die 25 % Eigenbeteiligung, die das BMZ verlangt, nicht mehr aufbringen können.

Wir danken allen Spendern, auch denen, die z.T. auf Geburtstagsgeschenke bzw. auf Kranz- und Blumenspenden anlässlich einer Beerdigung verzichtet haben, und auch dem Dorf Loogh, das uns den Reinerlös des Dorffestes zukommen lies. Der Lyonsclub Bitburg hat uns weitere 5.000 Euro zur Verfügung gestellt und die Realschulen Hillesheim und Schleiden haben uns mit hohen Beträgen unterstützt. Wir haben einen festen Stamm von Spendern, der uns nicht im Stich lässt. In Norddeutschland hat sich eine „Initiative Nord“ gebildet, die für unsere Projekte Spenden einsammelt. Dank ihrer Unterstützung konnten wir 2 Grundschulen finanzieren.

Jede Woche erhalten wir neue Projektanträge aus Burkina Faso. Wir führen eine Prioritätenliste, in der Finanzierungsanträge für ca. 100 Grundschulen und 50 Collèges erfasst sind. Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass wir schnell und zuverlässig helfen, wenn die Bevölkerung unsere Bedingungen akzeptiert. Mit dem Bau von rund 43 Schulen in einem Jahr und damit 43 verschiedenen Baustellen haben wir das Maximum unserer Leistungsfähigkeit erreicht.

Bericht des 2. Vorsitzenden Götz Krieger über seinen Aufenthalt in Burkina Faso

Götz Krieger berichtete, dass es in Burkina Faso ziemliche Unruhen gibt. Ein Schüler aus Koudougou wurde mehrfach von der Polizei vorgeladen und sollte eine Strafe zahlen. Da sein Geld nicht ausreichte, kam er in Polizeigewahrsam und verstarb. Der Polizeiarzt gab, um die Missstände zu vertuschen, als Todesursache Meningitis an. Später wurden die Misshandlungen dokumentiert. Schülerkrawalle waren die Folge, erst in Koudougou, dann in Poa und Kindi. Dort setzten Polizisten Waffen ein. Folge: drei Tote, Jugendliche starben, außerdem Polizisten. In Dori wurde das Polizeikommissariat, in Fada N`Gourma das Büro des Gouverneurs abgebrannt. Nachdem 4 Soldaten wegen Übergriffen auf die Bevölkerung verurteilt und ins Gefängnis gebracht worden waren, befreiten andere Soldaten diese wieder aus dem Gefängnis und plünderten in Ouagadougou Geschäfte und verwüsteten das Gerichtsgebäude. Hinzu kommt zur Zeit die Sorge um rund zwei Millionen Burkiner in der Elfenbeinküste. Dieses Land schlittert immer tiefer in den Bürgerkrieg und die Migranten aus Burkina gelten als Anhänger des abgewählten Staatschefs, der nicht abtreten will. Unsere Schulbauprojekte sind durch die Unruhen zur Zeit jedoch nicht gefährdet, da wir unsere Schulen nur in abgelegenen Dörfern bauen.

 

Bericht des Kassenwartes und Entlastung des Vorstandes

Christoph Bröhl als Kassenwart berichtete, dass die Kasse ordnungsgemäß geführt sei und alle Belege vorgelegt wurden. Er wies darauf hin, dass der Verein zusätzlich auch sehr sorgfältig vom Entwicklungshilfeministerium und vom Finanzamt Wittlich überprüft wird. Mit Schreiben vom 12.01.2010 wurde die Gemeinnützigkeit ausdrücklich bestätigt. Christoph Bröhl beantragte, den Vorstand zu entlasten.

 

Entlastung

Bei Enthaltung von Herrn Simonis, Götz Krieger und Christoph Bröhl wurde der Vorstand einstimmig entlastet.

 

Verschiedenes

Weitere Anträge für die Tagesordnung wurden nicht gestellt.

Karl-Wilhelm Simonis teilte mit, dass er 6 gespendete Rollstühle sowie ein EKG-Belastungsfahrrad nebst medizinischem Zubehör und 50 Fußbälle mit Luftpumpen über die Karnevalstage zum AMPO-Container nach Norddeutschland transportiert habe, von wo sie nach Burkina Faso verschifft werden. Für die nächste Rundreise im Oktober haben sich bereits 17 Personen angemeldet. Da die Lage sehr unübersichtlich ist, werden wir vorerst noch keine Flüge buchen.

Weitere Wortmeldungen gab es nicht.

Die Mitgliederversammlung wurde um 19.55 Uhr beendet. Um 20 Uhr begann der Informationsabend des Solidaritätskreises für die Öffentlichkeit, in dem Jana Marxen über ihre Arbeit im Foyer Sainte Monique unterrichtete und Andrea Kirchmann Fotos von der letzten Rundreise zeigte. Es kamen noch weitere Personen hinzu, sodass alle Plätze besetzt und ca. 50 Leute anwesend waren.