Grundsätze des Solidaritätskreises Westafrika e.V.
bei der Durchführung von Projekten

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1. Wir haben keine Partnerschaft mit einer bestimmten Stadt und wir wollen auch kein Gebiet in ein Paradies verwandeln, das von den benachbarten Orten beneidet wird, sondern wir realisieren unsere Projekte in allen ländlichen Regionen von Burkina Faso, vor allem in Grenznähe. In solch abgelegenen Gebieten sind kaum Vereine tätig und die Bevölkerung erhält dort meist kaum staatliche Unterstützung. Burkina Faso liegt zum Teil in der Sahelzone, ist so groß wie die alten Bundesländer und hat 14 Millionen Einwohner. Es gehört zu den 5 ärmsten Staaten dieser Erde. Wir führen Projekte nur durch, wenn Dörfer dies beantragen und wir in dem betreffenden Ort eine verantwortungsbewusste Person finden, die bei der Realisierung mithilft und die Bevölkerung zur Mitarbeit motivieren kann.

2. Da in Burkina Faso durchschnittlich nur ca. 50 % der schulpflichtigen Kinder eingeschult werden (in Schwarzafrika insgesamt werden 70 % aller Kinder eingeschult) und in den ländlichen Gebieten die Einschulungsquote noch viel geringer ist, fördern wir den Bau von Grundschulen (Klassen 1 – 6 nach dem französischen Schulsystem). Mittlerweile hat auch die Bevölkerung erkannt, dass die Schulbildung enorm wichtig ist. Der Bau einer Schule wird in den meisten Fällen als das wichtigste Projekt überhaupt eingeschätzt. Schulbauten sind für uns unproblematisch, da der Staat unverzüglich die Lehrer schickt und die Unterhaltungskosten übernimmt. Die Schulbildung scheitert also nicht an personellen Engpässen, sondern lediglich daran, dass der Staat nicht das nötige Kapital für den Schulbau hat. Die Kinder beenden ihre 6-jährige Grundschulausbildung bereits im Alter von ca. 12 Jahren. Kinder in diesem Alter und mit einer so kurzen Ausbildung können keine qualifizierten Berufe erlernen. Damit die Kinder eine Fortbildungsmöglichkeit haben, bauen wir auch Collèges (Klassen 7 – 10). Bis Ende 2016 wird der Solidaritätskreis 168 Collèges mit insgesamt 1021 Klassenräumen gebaut und eingerichtet haben. Hinzu kommen 162 Grundschulen, wo 587 Klassenräume für Grundschulen errichtet und eingerichtet wurden. Ferner hat er bis dahin 452 Lehrerhäuser, 36 Verwaltungsgebäude für Collèges und 101 Brunnen finanziert. Da durchschnittlich ca. 75 Kinder pro Klasse unterrichtet werden, hat er für über 120.600 Kinder neue Schulplätze geschaffen. 15.848.027 Euro wurden investiert, somit kostete jeder Schulplatz ca. 131 Euro.

3. Wir haben einen Fragebogen entwickelt, der von den Verantwortlichen ausgefüllt werden muss. Darin muss angeben werden, wie viel Leute im Umkreis von 4 km um die geplante Grundschule (12 km bei Collèges) wohnen, wie viele grundschulpflichtige Kinder es dort gibt (erfahrungsgemäß 20 % der Gesamtbevölkerung!), wie viele von diesen Kindern tatsächlich eine Schule besuchen und wie weit die nächste Grundschule /

Collège und der nächste Tiefbrunnen entfernt ist. Gleichzeitig muss der Verein und der Ansprechpartner benannt werden, der sich vor Ort um den Schulbau kümmert. Mit der Unterschrift unter dem Fragebogen erkennt man unsere Bedingungen an: Man verpflichtet sich Sand und Steine zu sammeln, 5 Personen unentgeltlich für Handlangerdienste während der Bauphase zur Verfügung zu stellen, zahlreiche Bäume zu pflanzen und 150 Euro pro Jahr für die Unterhaltung einer etwaigen Pumpe einzusammeln. Wir erstellen anhand der Fragebögen eine Prioritätenliste und versuchen, die dringendsten Schulbauten am schnellsten durchzuführen.

4. Erst wenn die Bevölkerung genug Sand und Kies für das Gesamtprojekt gesammelt hat, beginnen wir mit den Bauarbeiten und stellen sie wieder ein, wenn sie nicht mehr mitarbeitet. Die Schulen und Lehrerhäuser werden nach den vom Staat Burkina Faso vorgeschriebenen Einheitsplänen errichtet. Es werden Streifenfundamente ausgehoben und auf der Betonbodenplatte werden die Mauern mit Zementsteinen errichtet, die vor Ort produziert werden. An den Stahlträger (bei Schulgebäuden) bzw. Holzbohlen (bei Lehrerhäusern) wird das Aluminiumdach befestigt. Die Fenster und Türen bestehen aus Metall. Die Fenster haben bewegliche Lamellen, damit der Wind durchziehen kann. Es hat sich bewährt, dass wir eine Bauingenieurin beschäftigen, die alle Baustellen mehrfach besucht und überwacht. Wir haben auf unseren Rundreisen kaum Baumängel festgestellt. Es ist gut, dass wir eine junge Frau gefunden haben, die in dieser patriarchalischen Gesellschaft in der Lage ist, die Bauarbeiten zu überwachen und auch deutlich ihre Meinung zu sagen. Sie verdient am Tag 25 Euro. Ihr Chauffeur ist fest angestellt zu einem Monatsentgelt von 94 Euro zuzüglich 5 Euro pro Rundreisetag.

5. Wir errichten einen Zaun um die Schulen als Schutz vor Tieren und sorgen dafür, dass zahlreiche Bäume (keine Eukalyptusbäume) gepflanzt und von den Schülern gepflegt werden, denn das Vordringen der Wüste muss unbedingt gestoppt und die Jugend dahingehend sensibilisiert werden. Das Kleinklima um die Schule wird verbessert und die Kinder können sich im Schatten der Bäume aufhalten. Es ist Aufgabe der Lehrer, die Kinder auch über hygienische Probleme zu informieren. Wir errichten an allen von uns gebauten Schulen Aborte und kontrollieren auch, ob sie benutzt und in Ordnung gehalten werden.

Durch eine Brunnenbohrung erhält ein ganzes Dorf einwandfreies Trinkwasser und dies ist ein ganz wichtiger Beitrag für die Gesundheit. Die Kindersterblichkeit wird erheblich verringert.

6. Wir sind konfessionell und politisch unabhängig und bestimmen in eigener Verantwortung, wo und welche Projekte wir durchführen. Unsere Gelder werden zentral von unserem Repräsentanten in Ouagadougou verwaltet, der unmittelbar die anfallenden Rechnungen an die Bauhandwerker und Lieferanten bezahlt und jeden Monat den Kontoauszug einscannt und uns zu mailt. Anhand dieses Kontoauszugs erstellen wir hier in Deutschland ein Buchungsjournal und eine Belegliste. Wir wissen am Monatsanfang immer genau, welche Gelder wir für welche Schulbauten bezahlt haben. Dies teilen wir umgehend unserem Repräsentanten in einer „offenen Postenliste“ per Mail mit. Wir händigen also den ortsansässigen Vereinen keine Gelder aus und überlassen ihnen auch keine finanziellen Mittel für eigene Projekte, sondern wir realisieren nur die von uns selbst ausgesuchten Vorhaben. Unser Repräsentant überprüft die Angaben der Dörfer auf den Fragebögen und kontrolliert, ob genug Sand und Kies gesammelt wurde. Auf ihn kann man sich verlassen. Bei uns gibt es keine Korruption und die von uns gebauten Schulen sind nur halb so teuer wie die Schulen, die der Staat Burkina durch Unternehmer bauen lässt.

7. Mitglieder unseres Vereins besuchen auf eigene Kosten regelmäßig die Dörfer, in denen wir Projekte durchgeführt haben bzw. durchführen wollen. Unsere Projekte sind für die Dörfer kein „anonymes Geschenk“, sondern mit diesen Projekten werden freundschaftliche Verbindungen gepflegt. Die Bevölkerung weiß, dass wir wiederkommen werden, und hält die Gebäude in Ordnung.

8. Seit dem Jahre 1995 erhalten wir für unsere größeren Projekte Zuschüsse des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Höhe von 75 % der Projektkosten. Da wir auch vom Staat Burkina Faso als gemeinnützig anerkannt wurden, sparen wir dort für Materialeinkäufe die 18 % Mehrwertsteuer.

9. Wir können wegen der ungebremsten Bevölkerungszunahme auf dem Land gar nicht so viele Schulen bauen, wie die Kinderzahl ansteigt. Jede Frau in Burkina bekommt durchschnittlich 6 Kinder. Nach dem Weltbevölkerungsbericht liegt der Anteil der Bevölkerung unter 15 Jahren bei 45,7 Prozent ! Wir sorgen dafür, dass möglichst viele Mädchen eingeschult und über die Probleme von Aids und Geburtenregelung unterrichtet werden. Mädchen mit Schulbildung bekommen weniger Kinder ! In den von uns finanzierten Grundschulen sind oft mehr Mädchen als Jungen eingeschult.

10. Unsere Projekte sind zwar von sehr großem Einfluss für die von uns geförderten Dörfer, sie können jedoch nicht die wirtschaftliche Lage verändern. Diese verändert sich nur, wenn wir in den Industrieländern unsere Einstellungen überdenken, den ärmsten Ländern die Schulden erlassen und für eine gerechtere Wirtschaftsordnung sorgen. Die EU subventioniert ihre Milch und exportiert Milchpulver zu Dumpingpreisen nach Burkina Faso. 10 % der Bevölkerung leben dort von der Milcherzeugung, sind aber nicht mehr konkurrenzfähig und können kaum überleben. Auch Baumwolle wird von den USA und der EU auf dem Weltmarkt so stark subventioniert, dass die burkinischen Bauern nicht mehr mithalten können.