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Freitag, den 06. Februar 2009 um 00:00 Uhr

Besondere Ereignisse während meines Aufenthaltes in Burkina 2008/09

Götz Krieger

Mitte September 2008 kam ich nach ungefähr 3 Wochen Reise in Burkina Faso an, wohne seitdem in Yéguéresso, 15 km von Bobo-Dioulasso entfernt, in einem Lehrerhaus, das wir 2002 zusammen mit dem Collège gebaut haben.

Eine meiner schwierigsten Fahrten

Am 6. Februar kamen gegen 15 Uhr ein Lehrer und der Surveillant vom Collège in Yéguéresso und teilten mir mit, dass ein Schüler an Malaria gestorben ist. Er fehlte wohl schon mehrere Tage, wurde aber nicht in die Krankenstation gebracht, da man hierzu kein Geld hatte (unter 1.500 FCFA - weniger als 2 €). Der Junge sollte noch am Nachmittag in Yéguéresso beerdigt werden, man wartete nur noch auf seine Eltern. Diese sprachen sich aber dafür aus, ihren Sohn in ihrem Dorf zu beerdigen. Hierzu wollten sie den Toten mit dem Moped in das 35 km entfernte Dorf transportieren. Der Dorfchef von Yéguéresso fragte mich, ob ich den toten Jungen nachhause transportieren würde. Ich sagte sofort zu. Der Leichnam wurde auf die hintere Ladefläche geladen, seine Mutter und weitere 3 Personen stiegen hinten auf, in der Kabine waren mit mir 5 Personen. Ein grüner Zweig wurde an der Front angebracht, ein Zeichen, dass ein Toter zur Beerdigung gefahren wird.

Vorbei an Koro ging es über eine schlechte Piste. Die Insassen sprachen kein Wort und hörten sich während der gesamten Fahrt das Requiem von Mozart an. Unterwegs hielten Fahrzeuge an, in den Dörfern erhoben sich die Leute. In seinem Dorf angekommen, wurde der Leichnam im Elternhaus aufgebahrt. Klageweiber kamen und brachen in fürchterliches Geheul und Geschrei aus. Die Männer saßen schweigend vor dem Haus und nach einiger Zeit machten sich die ersten auf den Weg, um das Grab auszuheben. Gegen 19 Uhr waren sie endlich damit fertig, der Leichnam wurde abgeholt, von den Männern gewaschen und in der benachbarten katholischen Kirche aufgebahrt. Eine kurze Messe fand vor der Beerdigung statt. Am Grab sprach der Schulleiter Abschiedsworte und erwähnte, dass der verstorbene Junge zu den besten Schülern seiner Klasse gehörte. In diesem Jahr wäre er 14 Jahre geworden. Nach der Segnung wurde er in einem seitlichen Teil des Grabes beigesetzt. Der seitliche Teil wurde daraufhin mit Steinen verschlossen und dann das Grab zugeschüttet. Die Trauergemeinde fand sich danach im Hof der Eltern ein. Ein Sprecher dankte allen und erlaubte ihnen dann aufzubrechen.

Während der Heimfahrt erzählte mir der mitgefahrene Lehrer, dass alte Männer mutmaßten, dass der Junge ein Opfer eines Seelenfressers oder einer Seelenfresserin sein könnte. Man kommt offensichtlich nicht auf den Gedanken, dass Malaria ohne Behandlung tödlich ist.

Was mich besonders berührte, war die Tatsache, dass ich für den Transport wesentlich mehr Geld als für eine Behandlung ausgegeben habe, dass ich an 4 bis 5 Tagen täglich mehr als 2x an seiner Hütte vorbeigefahren bin, aber ebenso wie die Schulleitung nichts von der Krankheit wusste.