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Dienstag, den 29. September 2015 um 09:35 Uhr

Neuer Projektantrag beim BMZ eingereicht

Burkina Faso hat aufregende Wochen hinter sich. Am 16. September hat die Präsidentengarde geputscht und die Radio- und Fernsehsender besetzt. Es gab 15 Tote. Die Grenzen und der Flughafen wurde geschlossen und eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Der Chef der Garde ernannte sich selbst zum Präsidenten. Das Militär stand aber nicht hinter ihm, forderte ihn zum Rückzug auf und marschierte in Ouagadougou ein. Es kam aber bisher nicht zum Blutvergießen, sondern die Präsidentengarde zog sich zurück und man versucht sie aufzulösen und zu entwaffnen. Die für Oktober angesetzten Wahlen wurden erst mal verschoben. Wer sich für Einzelheiten interessiert, findet sie im beigefügten Newsletter der deutsch-burkinischen Freundschaftsgesellschaft.

Am 20. September fand eine Mitgliederversammlung des Solidaritätskreises Westafrika statt, in der Michael Simonis zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde. Karl-Wilhelm Simonis wird aber weiter als Bevollmächtigter für den Verein tätig sein.

 

Karl-Wilhelm Simonis informierte die Mitgliederversammlung darüber, dass nach einer neuen Richtlinie des BMZ eine Valorisierung von Leistungen des Projektträgers im Entwicklungsland ab dem 01.01.2016 grundsätzlich nicht mehr möglich sei. Nur in Ausnahmefällen wird noch eine Valorisierung zugelassen, z.B. bei Ländern mit großen Ebolaproblemen bzw. bei Ländern, aus denen viele Flüchtlinge stammen. Burkina Faso wurde nicht in diesen Ausnahmekatalog aufgenommen.

Bei Anträgen an das BMZ, die noch bis zum 31.12.2015 bewilligt werden, gilt noch die alte Regelung, d.h. eine Valorisierung ist bis zum Ende des Projektes möglich. Durch diese Neuregelung ist unser Verein besonders betroffen. Wenn wir nicht mehr das Sammeln von Sand, Kies und Steinen und den Transport zur Baustelle valorisieren können, werden wir für die Durchführung von Programmen mit demselben Umfang fast die doppelte Spendensumme benötigen. Da unser Spendenaufkommen aber seit Jahren in etwa gleich ist, werden wir in Zukunft nur noch ungefähr die Hälfte der Schulen bauen können, denn wir müssen dann volle 25 % der Projektkosten durch Spenden aufbringen und nicht mehr wie zur Zeit ca. 13 %. Dies dürfte für Burkina Faso schlimme Auswirkungen haben, denn unser Verein baut zur Zeit fast die Hälfte aller Collèges in Burkina Faso, wobei die von uns finanzierten Collèges nur halb so teuer sind wie die Collèges, die der Staat baut.

Gerade jetzt, wo eine große Unsicherheit in Burkina Faso besteht, hat dies fatale Auswirkungen. Viele Kinder werden in Lehmschuppen bzw. Notunterkünften unterrichtet und warten auf den Bau von massiven Klasseräumenn bzw. können gar nicht mehr eingeschult werden. Der Staat Burkina Faso ist wegen der politischen Unsicherheit fast handlungsunfähig. Die neue Richtlinie geht also eindeutig zu Lasten der Schüler, die nicht oder nicht ordnungsgemäß unterrichtet werden können. So wird sich die Entwicklung des Landes noch weiter verzögern und es wird noch mehr Flüchtlinge geben.

Die Mitgliederversammlung fasste darauf hin folgenden einstimmigen Beschluss:

Der Vorstand des Vereins wird hiermit aufgefordert, noch bis Ende September 2015 einen neuen Zuschussantrag mit dem Titel „Schulprogramm 2015-2018 in Burkina Faso“ zu stellen, damit zumindest im Rahmen dieses neuen Programmes noch eine Valorisierung zulässig ist. Der Vorstand soll das BMZ bitten, das Land Burkina Faso wegen seiner besonderen Situation in den Ausnahmekatalog der Länder aufzunehmen, bei denen eine Valorisierung weiterhin zulässig ist. Burkina Faso gehört schließlich zu den fünf ärmsten Ländern der Erde und ist momentan in einer politisch und wirtschaftlich sehr schwierigen Situation.

Wir reichen heute einen neuen Zuschussantrag mit der Bezeichnung „Schulbauprogramm 2015-2018 in Burkina Faso“ beim Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ein und hoffen, dass das BMZ uns entgegenkommt. In dem neuen Zuschussantrag ist der Bau von 39 neuen Collèges, die Erweiterung von 10 bestehenden Collèges, der Bau von 2 Grundschulen und die Bohrung von 21 Tiefbrunnen in 20 der 45 Provinzen von Burkina Faso geplant. 2,4 Millionen Euro sollen investiert werden.

Nach der Mitgliederversammlung begann der Informationsabend des Solidaritätskreises für die Öffentlichkeit. Lisa Reichertz, die in Banfora ein freiwilliges soziales Jahr geleistet hat, berichtete über ihre Arbeit. Catherine Pémou, die zur Zeit in Deutschland als Reverse-Freiwillige ein Jahr in der Behindertenwerkstatt in Ulmen arbeitet, erzählte von ihren Erfahrungen.

Die Ordensschwester Soeur Véronique Pémou aus Banfora sprach über ihre Arbeit in dem vom Solidaritätskreis unterstützten Mädcheninternat. Den Personen, die eine Patenschaft über ein Mädchen in diesem Internat übernommen haben, wurde Gelegenheit gegeben, sich nach ihrem Patenkind zu erkundigen.

Es grüßt herzlich

Michael Simonis und Charly Simonis

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